Deus Vult: Ausfall!

Kampftauglicher Schild

Einen stabilen Schild selbst zu bauen ist gar nicht besonders schwer: Der Einfachheit halber wird unser Schild aus übereinander verleimten und gebogenen Sperrholzplatten gefertigt, historisch richtig wäre ein Schildkorpus aus mehreren so zusammengeleimten und abgeschrägten Holzbrettern, dass einen Wölbung entsteht.
(ich kann hierzu nur auf die sehr gute Anleitung der Gruppe "Historiavivens1300" hinweisen: http://www.historiavivens1300.at/biblio/schild/schildbau.htm)

Werkzeug und Materialien

Anleitung:

1) Schildform und Schablone: zuallererst sollte man sich überlegen, welche Schildform man möchte, wir entschieden uns für einen Dreiecksschild in "Manesseform" mit den Maßen:
Höhe: 94 cm,
Breite: 62cm (über die Wölbung, die am höchsten Punkt 10 cm ist gemessen)
Für diese Form fertigten wir eine Schablone aus Backpapier an.

2) Verleimen der Sperrholzplatten: Die Sperrholzplatten werden in der Reihenfolge Buche-Pappel-Buche miteinander verleimt, man muss dabei darauf achten den Leim überall möglichst gleichmäßig aufzutragen. Für diese Arbeit ist man am besten zu zweit, da man zügig arbeiten sollte, und benutzt einfache Leimspachteln, um den Leim überall ganz gleichmäßig auftragen zu können.
 

3) Biegen: Mit mehreren Spanngurten, die man gleichmäßig immer fester anzieht, gibt man dem Schild die gewünschte Wölbung: um eine gleichmäßige Kraftverteilung der Spanngurte auf den ganzen Schild gewährleisten zu können, kann man auf die Längsseiten metallene U-Profile stecken. Um die Sperrholzplatten aneinander zu halten, fixiert man das Ganze rundherum mit möglichst vielen Schraubzwingen.
Die entstandene Wölbung "entspannt" sich nach dem Öffnen der Gurte nicht mehr, es sollte also genauso weit gebogen werden, wie man es beim fertigen Schild auch haben will.

Nach einer Trocknungszeit, die nicht kürzer als zwei Tage sein sollte, kann man zum nächsten Arbeitsschritt übergehen:
 

4) Aussägen und abschleifen: Mithilfe der Schablone wird die Schildform auf den noch eckigen Schildrohling übertragen und mit der Stichsäge ausgeschnitten, danach werden die Kanten leicht rund abgeschliffen und eventuelle Ungleichmäßigkeiten ausgeglichen.

5) Leinenbespannung: Nun wird die Vorderseite des Schildes mit mindestens zwei Lagen festem Leinen bespannt: Leinenstücke, die etwas größer sind als der Schild (am besten mit der Schildschablone ausschneiden und einfach etwas großzügiger sein) werden mit Leim aufgeklebt. Dabei ist es wieder sehr wichtig den Leim gleichmäßig aufzutragen und Stellen, wo unter dem Leinen zuviel Leim zusammenrinnt, sofort glatt zu streichen.

Auch nach diesem Arbeitsschritt sollte man eine Trocknungspause (mindestens ein Tag) einlegen.
 

6) Armpolsterung: ein Lederstück, etwas länger als der gesamte Unterarm des zukünftigen Schildträgers und ungefähr doppelt so breit wird ausgeschnitten und mit den kurzen Nägeln an der Stelle auf die Innenseite des Schildes genagelt, wo die Beriemung angebracht werden soll. Gefüttert wird das ganze einige Zentimeter dick mit Stoffresten, Filzstreifen oder ähnlichem.

7) Beriemung: Am besten eigenen sich zwei überkreuzende Riemen als Haltegriff (auf dem Foto rechts mit zusätzlichen Lederstreifen umwickelt), ein Riemen ungefähr Mitte des Unterarms und einer am Ende des Unterarms. Die entsprechenden Stellen werden ausgemessen und angezeichnet, dann mit einem dünnen Bohrer Löcher für die Vierkantnägel vorgebohrt.
Die Vierkantnägel werden von vorne durch den Schild gesteckt, die vorbereiteten Lederriemen, in die man bereits mit einer Lochzange Löcher gestanzt hat über die Nägel gesteckt und dann die Nägel vorsichtig so umgeschlagen, dass ihre Spitze wieder leicht ins Holz zeigt.
Dafür biegt man den Nagel zuerst etwas 45 Grad um, um ihn dann über einen runden Gegenstand (z.B. eine kleine Zange mit rundem Vorderteil) weiter in Richtung Holz zu biegen. Hat die Spitze erst das Holz erreicht, kann man sie wieder mit etwas mehr Gewalt hineinschlagen.
Damit das ganze Gewicht des Schildes nicht nur auf den umgeschlagenen Nägeln ruht werden die Lederriemen zusätzlich noch mit kurzen Nägeln mit dem Holz verbunden.
Die Schildfessel, mit der man sich den Schild umhängen kann, wird auf dieselbe Weise wie die Riemen befestigt. Ihre ungefähre Position kann dem Foto entnommen werden.
 

8) Bemalung: Wie präzise man hier vorgeht, bleibt jedem selbst überlassen: Wir grundierten 2-3 mal, um eine reinweiße Grundlage zu haben und bemalten die Schilde dann (wieder 1-3 mal, je nach Deckungsgrad der Farbe) mit unseren Wappen, anschließend lackierten wir mehrmals mit wasserfestem, mattem Klarlack.
 

9) Randverstärkung: Die ca. 5-6 cm breite Rohhaut (zu beziehen bei den meisten Online-Mittelalterversandläden) wird 12 Stunden eingeweicht um sie geschmeidig zu machen. Danach wird sie um die Kanten des Schildes gelegt und von vorne und hinten mit kurzen Nägeln angenagelt. Eventuelle leicht Beulen und Wellen ziehen sich gerade, wenn die Haut trocknet.
Von den häufig empfohlenen Hundekauknochen raten wir ab: die Stücke, die man dabei herausbekommt sind zu kurz und ungleichmäßig und stinken, außerdem ist "echte" Rohhaut auch nicht besonders teuer. Und außerdem stinkt sie nicht.

Wer möchte, kann die Innenseite noch lackieren oder mit Wachs oder Ähnlichem einlassen, um sie wasserfest zu machen.

Die Schritte 7-9 sind in ihrer Reihenfolge beliebig vertauschbar, man sollte sich einfach entscheiden, ob man über die Köpfe der Nägel, die die Beriemung halten, malen will oder nicht, und ob man die Randverstärkung ebenfalls anmalen will. Ist beides der Fall bemalt man den Schild natürlich erst als letzten Schritt.