Stahl, Feuer und 200 Jahre Tradition – Gregor zu Gast bei der Schmiede Schmidberger

Schwert schmieden bei der Schmiede Schmidberger – ein Tagesworkshop in Molln

Stahl, Feuer und 200 Jahre Tradition – Gregor zu Gast bei der Schmiede Schmidberger

Im März hat unser Vereinsobmann Gregor einen Tagesworkshop zum Schwert Schmieden besucht. Nicht irgendwo, sondern bei der Schmiede Schmidberger in Molln, Oberösterreich. Er kam zurück mit Rußflecken, Muskelkater und einem breiten Grinsen.

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Hier ist viel authentisch drin.

Die Sache mit dem „A“ – was ist eigentlich „authentisch“?

Die Saison ist wieder im Gange, mittlerweile haben wieder die ersten Mittelaltermärkte geöffnet, die hart gesottenen unter uns schlagen ihre Lager auf. Wer schon etwas tiefer in die Szene einblickt, wird im Internet, als auch bei metgetränkten Dialogen zu Mitternacht früher oder später auf die „A“-Diskussion stoßen: Wie authentisch bin ich, wie authentisch ein Fest und was darf sich Mittelalter schimpfen?

Authentisch vs. Fantasy

Auch wir freuen uns schon auf die anstehenden Lager- und Festbesuche. Es ist immer wieder faszinierend, wie viel Liebe zum Detail die einzelnen Gruppen in ihre Gewandung, ihr Equipment, die Zelte und den Auftritt stecken. Das erfordert sehr viel Zeit, Geld, Geduld und Nerven. Dazwischen immer wieder Einzelpersonen oder Gruppen, die mit viel Enthusiasmus und Freude in Kleidern über den Markt wandeln, die zwar mehr an Elbe als Mittelalter erinnern und trotzdem cool, bunt und lebendig sind. Gerade die großen und viel besuchten Feste können nicht direkt den Anspruch auf „Authentisch“ erheben. Aber was ist das eigentlich?

Unter Authentisch wird verstanden, dass Gruppen bzw. Einzelpersonen bestmöglich und so detailliert wie möglich ihren Auftritt, ihre Kostüme und sämtliche Materialien nach Funden, historischen Quellen und Recherche rekonstruieren. Manche gehen sogar so weit, dass von der Stoffherstellung bis zum Garn, das natürlich mit der Hand vernäht wird, Bestand davon ist. Wie gesagt, Mittelalter kostet viel Zeit!

Dies ist Königsdisziplin in der Mittelalter-Szene, was auch wir absolut wertschätzen.

Die anderen Gruppen und Darstellungen sind trotzdem nicht weniger bemerkenswert – denn all diese Menschen machen eine Veranstaltung ja erst lebendig.

Einige Märkte bevorzugen authentische Darstellungen, da sie auch einen pädagogischen, bzw. historisch vermittelnden Ansatz pflegen und dementsprechend altes Handwerk, Kunst und das alltägliche Leben bestmöglich zeigen wollen.

Leider hat sich – besonders im Internet – ein Trend entwickelt, dass alles, was nicht unter „A“ zählt, nieder niedergemacht wird. Alles, was nicht den Belegen entspricht oder gar ein Schulterfell trägt ist NICHT gut. Wir finden das schade, denn so wird ein Austausch zunichte gemacht. Und besonders Anfänger:innen schrecken davor ab, überhaupt damit anzufangen.

Freudenfeuer Hall Thalia Goldschmieden

Thalia beim Goldschmieden (damals 2021) – mit definitiv nicht authentischer Brigittahaube. Und die Gugl ist auch verbesserungswürdig.

Ausfall ist authentisch fantasievoll!

Wir selbst haben uns auf die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts festgelegt und legen ebenfalls viel Herzblut in unsere Darstellung. Aber jeder bei uns hat auch mal klein angefangen. Unsere Mitglieder stellen sich ihre Kleider und Accessoires zusätzlich zusammen und fertigen das Meiste selbst an. Und dennoch ist – besonders in der Anfangszeit – das eine oder andere Teil dabei, das vielleicht nicht den historischen Bewandtnissen entspricht: unterschiedliche Materialien, eine falsch geschnittene Haube oder Umhängetaschen, um darin modernen Kram wie etwa ein Handy zu verstauen. Und das stört uns nicht! 

Es liegt uns am Herzen, gemeinsam nach historischen Funden und Quellen auch unsere Ausstattung zu adaptieren. Und dennoch wissen wir, dass nichts von heute auf morgen entstanden ist, und dass es Zeit braucht, um sich zu entwickeln. Bei uns liegt der Spaß im Vordergrund, denn wir haben dadurch die besten Erfahrungen gemacht. Und wenn eine Darstellung mal „fertig“ ist, dauert es meist nicht lange, bis das nächste Projekt ansteht. Wir haben mittlerweile auch einige Quellen dazu gefunden und datiert.

Bei authentisch gefragten Veranstaltungen, wie z.B. Events in einem Freilichtmuseum, dem Vorzeigen von Handwerk usw. achten wir allerdings sehr darauf, so genau wie möglich zu sein.

Wie werde ich jetzt authentisch?

Good News first: du bist es schon, wenn du Lust hast, einfach dein Ding zu machen und das auch im Mittelalter zu erleben. Dann bist du übrigens auch sehr bei uns willkommen!

Ansonsten, wenn du deinen ersten Style ein wenig überarbeiten möchtest:

Gregro und Marina sind sehr authentisch

Gregor und Marina sind hier sehr authentisch am Weg – inklusive Sehhilfe!

  • Schulterfell weg – gab es so nicht
  • Materialien checken: Leinen und Wolle schlägt Baumwolle & Polyester
  • Trinkhorn weg: Sieht nett aus, aber war nicht der Coffee 2 Go Becher des Mittelalters. Auch nicht bei Wikingern.
  • Sich schlau machen, googeln, andere Vereine und Personen fragen: Ihr müsst keine neue Recherche starten. Die meisten Vereine freuen sich, wenn sie Hilfe geben können und dir dabei helfen können, deine Darstellung zu verbessern.
  • No Make-up ist dein Make-up: Künstliche Wimpern, Eyeliner und insbesondere die schwarzen Waschbärmasken wie in Vikings gehören zur Fantasy-Darstellung!

 

Ansonsten empfehlen wir jedem Menschen, der etwas in die Tiefe gehen will: einfach anfangen! Jedes Projekt beginnt mit dem ersten Schritt und es kann nur besser werden.
Und falls wieder irgendwo auf einem Markt die Gruppendiskussion zu authentisch oder „nicht authentisch“ aufkommt: Bisher waren alle Teilnehmer:innen immer sehr glücklich, dass es auf den Märkten fließend Wasser, zumindest ein Dixi-Klo und manchmal sogar Duschen gibt. 😉

 

 

Tag der offenen Rathaustür in Hall in Tirol – Ein Rückblick

Jedes Jahr im März öffnete das Haller Rathaus seine Türen – für neugierige Bürgerinnen und Bürger, und ganz besonders für Volksschulklassen, die Geschichte hautnah erleben durften. Heuer findet die Veranstaltung leider nicht statt. Wir vom Mittelalterverein Ausfall durften in den vergangenen Jahren Teil dieser Veranstaltung sein – und das war jedes Mal etwas Besonderes. Grund genug, kurz zurückzublicken.

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Historische Tänze lernen: Video-Tutorials für Grundschritte

Manchmal hören wir: „Historische Tänze sehen schön aus – aber das ist bestimmt schwierig…“
Ganz ehrlich: Vieles besteht einfach aus ein paar klaren Grundschritten. Wenn man sie einmal verstanden hat, fühlt sich plötzlich vieles vertraut an.

Darum haben wir hier ein paar YouTube-Videos gesammelt, die wir selbst hilfreich finden. Sie zeigen die wichtigsten Grundschritte historischer Tänze – ruhig erklärt, gut nachvollziehbar. Vielleicht hast du Lust, sie in Ruhe zu Hause auszuprobieren … und später bei uns in Tirol mitzutanzen.

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Mittelalterliche Stickerei – Vorlagen und Muster aus historischen Quellen

Wer sich mit mittelalterlicher Stickerei beschäftigt, steht früher oder später vor derselben Frage: Welche Muster sind tatsächlich belegt und wo findet man brauchbare Vorlagen?

Moderne Stickbücher und Online-Sammlungen greifen häufig auf freie Fantasie oder stark vereinfachte Motive zurück. Für eine historisch orientierte Darstellung – etwa im Reenactment oder in der musealen Vermittlung – lohnt sich der Blick auf erhaltene Originale und zeitgenössische Abbildungen.

Dieser Beitrag sammelt nachvollziehbare Quellen und typische Musterformen, die sich für eine Rekonstruktion mittelalterlicher Stickerei eignen und ich gerne für meine historische Darstellung heranziehe (Marina).

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Schleierformen im späten 14. Jahrhundert in Tirol

Beim Beschäftigen mit mittelalterlichen Kopfbedeckungen, insbesondere des späten 14. Jahrhunderts, stolpert man relativ schnell über eine scheinbar klare Einteilung: einfacher Schleier hier, Kruseler dort. In der Praxis – beim genauen Hinsehen in Bildquellen – wird diese Trennung jedoch unscharf. Der folgende Beitrag ist aus genau dieser Beobachtung entstanden. Er basiert auf der Auswertung ausgewählter Bildquellen und versucht, Schleierformen des späten 14. Jahrhunderts nicht als starre Kategorien, sondern als Teil einer sich entwickelnden Mode zu verstehen.

Titelbild: 1370-1372, Heimsuchung Mariens, Altar von Schloss Tirol, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck; Bild: (c) Imareal Institut für mittelalterliche Realienkunde

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Mittelalterfeste in Tirol 2026

Von offenen Rathaustüren bis zu Ritterfesten auf Tiroler Burgen – 2026 entführen wieder viele Mittelalterfeste und -veranstaltungen in Tirol ins bunte Mittelalter. Für diejenigen, die das Mittelalter nicht nur erleben, sondern auch verstehen wollen, bieten sich auch Stadtführungen in verschiedenen Städten Tirols an.

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Paternoster in Tirol im 14. und 15. Jahrhundert – Gebetsketten zwischen Frömmigkeit und Mode

Glaube, Alltag und Mode im mittelalterlichen Tirol

Im Tirol des 14. und 15. Jahrhunderts war der Paternoster – eine Perlenkette zum Zählen der Vaterunser-Gebete (pater noster = „Vater unser“) – weit mehr als nur ein religiöses Hilfsmittel. Er diente nicht nur der Andacht, sondern war zugleich sichtbares Symbol für Frömmigkeit, Stand und Stilbewusstsein.

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Kleiner Vogel in mittelalterlichen Sticktechniken

Mittelalterliche Sticktechniken: Vögelchen in Seidenstickerei

Dieser kleine Vogel (ein Art Pfau) entstand als Experiment, um verschiedene mittelalterliche Sticktechniken in der Praxis zu vergleichen. Das Motiv ist an die Pfauen des berühmten Bayeux-Teppichs des 11. Jahrhunderts angelehnt – eines der bekanntesten erhaltenen Beispiele mittelalterlicher Stickkunst.

Gestickt wurde ausschließlich mit feiner Seide von Devere Yarns auf Leinen, ganz im Sinne historischer Materialien und Arbeitsweisen.

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